Bolero
Bolero
Meine Sympathie für die intelligenten Langohren entdeckte ich schon früh, da ich in meinem vorherigen Stall viel mit Eseln zu tun hatte. Das war etwas, was ich bei uns auf dem Valurhof etwas vermisste. Durch Corinne kamen mir immer wieder viele Tierschutzfälle zu Ohren, mit welchen Claudia von Stinah tagtäglich zu tun hat, darunter auch viele Eselnotfälle. Wie bei so manch anderen Tieren werden sie leider viel zu oft ohne gross zu überlegen angeschafft weil sie einfach herzig sind. Dabei vergessen die Leute aber meistens (oder wissen es einfach nicht) dass es halt nicht einfach süsse Ponys mit lustigen langen Ohren und Stehmähne sind, welche man auch genauso behandeln kann. Sie sind komplett andere Wesen, welche ziemlich speziell ticken. Durch diese Unwissenheit werden sie zu oft falsch gehalten und dadurch krank oder der Mensch kommt mit der speziellen Natur des Esels nicht klar, also muss das Tier wieder weg und zwar so schnell wie möglich. Der letzte Ausweg ist dann halt meistens der Metzger… So kam es, dass in mir immer stärker die «glorreiche» Idee heranwuchs: »Ich möchte einen Esel retten!» Vernünftig wie ich ja bin???? schien ich offenbar an zwei Ponys, langem Anfahrtsweg, Familie, Stallarbeit, anspruchsvollem Job, nebenbei noch einfach so ein Bisschen Kung Fu und und und… immernoch nicht genug zu haben. So beschloss ich dann relativ spontan, den nächsten Eselfall zu übernehmen. Noch am selben Tag das nächste SMS von Claudia, am nächsten ein Telefonat mit der Luchsbesitzerin und schon waren Corinne und ich zwei Tage später mit dem Hänger unterwegs ins berner Jura um den kleinen Bolero zu holen. Er ist 3-jährig, extrem hübsch, total sympathisch und einfach ein witziger Kerl mit viel Humor und Unsinn im Schädel. Aber er sollte zu Luchsfutter werden, da er kranke Hufe hatte, was aber, wenn man mal ehrlich ist, gut hätte verhindert werden können. Die Hufe wären gut behandelbar gewesen, man hätte es nur endlich mal angehen müssen…. Schon traurig wie Menschen manchmal ticken, oder? Nun ist Bolero schon gut ein ¾ Jahr bei mir und die Hufe wieder fast vollständig gesund. Es ist ein steiniger Weg, mit vielen Rückschlägen und Niederlagen verbunden. Aber in kleinen Schritten geht es voran und ich bin mir sicher, dass wir auf gutem Wege sind, ein richtiges Team zu werden. Auch wenn ich mich selbst manchmal heulend und entnervt frage, wieso ich mir eigentlich immer selber das Leben noch schwerer machen muss als es eh schon ist und insgeheim schon überlege, an welcher Stelle im Wald ich ihn wohl am Besten aussetzen gehen soll damit ich ihn auch ja nie wieder sehen muss…???? Sobald er dann aber das nächste Mal auf dem Böckli steht und sich selbst über den Erfolg freut, hat er sich für all den Kummer entschädigt und meinen Ehrgeiz aufs Neue geweckt. Wer mich etwas kennt der kann sich sicher gut vorstellen, dass wir gar nicht selten den «Kampf der sturen Köpfe» ausfechten, welchen ich je länger je mehr immer öfter für mich entscheide???? Aber eines ist klar: Ein Esel ist nichts für schwache Nerven! Kurz gesagt: Ich bin froh dass Bolero jetzt zu meinem Trio gehört und überzeugt davon, dass es richtig von mir war, mal wieder unvernünftig Ja zu sagen. Denn wenn ich so auf mein bisheriges Leben zurückblicke, waren die unvernünftigsten Entscheidungen gleichzeitig auch die Besten! (Auch wenn ich nicht böse gewesen wäre, er hätte doch schon die eine oder andere Anstandsregel beherrscht…) Meine Ponys jedoch werden ihn glaube ich nie akzeptieren. Jedes Mal aufs Neue spüre ich deutlich ihre entsetzten, vorwurfsvollen Blicke, welche mir ganz eindeutig klar machen sollen: «Du STINKSCH imfall nach ESEL!!!»

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